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Sächsische Zeitung (Lokales Großenhain), 05.04.2004

Die Frau mit den wechselnden Kindern
Gabriele Krüger ist die vermutlich dienstälteste Tagesmutter in Großenhain / Angebot größer als Nachfrage

Von Peter Anderson
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„Wo sind denn Deine Kinder?“ Auf diesen Spruch kann Gabriele Krüger warten, wenn sie solo in Großenhain unterwegs ist. Das ist eher die Ausnahme. Deshalb fällt es auf. Meistens schiebt sie ein Baby im Wagen vor sich her oder hat ein Kind an der Hand. Gabriele Krüger ist die vermutlich dienstälteste Großenhainer Tagesmutter.

Durch einen Zufall dazu gekommen

„Ich bin eigentlich durch einen Zufall dazu gekommen“, sagt sie. Eine entfernte Bekannte suchte 1995 jemanden, der auf ihr sieben Monate altes Kind aufpasst. Gabriele Krüger fragte ihren Mann. Der hatte nichts dagegen. Viel mehr gab es nicht zu klären. „Bis 1992 war ich bei Lautex. In meinem Alter neue Arbeit zu finden, war aussichtslos.“ Gemeinsam mit den Eltern des Kindes ging Gabriele Krüger zum Jugendamt der Stadt. Das gab seine Zustimmung. Genügend Platz mit einem extra Spielzimmer und einem Schlafzimmer war da. „In einer kleinen Neubauwohnung hätte ich das nicht gemacht. Da fehlt die Privatsphäre“, so die Tagesmutter.

„Nach der Zustimmung ging alles automatisch“, erinnert sie sich. Das Jugendamt rief an, wenn für eine weiteres Kind eine Betreuerin gesucht wurde. Die Krügers schafften Kinderbett, Kinderstuhl und Kinderwagen an. Den Kinderwagen auch als Doppelsitzer, falls zwei Kleine zu betreuen sind. Mittlerweile sind sie auf alle Typen eingestellt: Vom Baby in der Wiege bis zum hyperaktiven Vierjährigen. Die Gründe, warum die Eltern eine Tagesmutter suchen, gleichen sich: Ungewöhnliche Arbeitszeiten, die von keiner Krippe abgedeckt werden. Fehlende Großeltern, die sich um die Kleinen kümmern könnten. Die mobile Gesellschaft mit ihrer Ignoranz gegenüber sozialen Bindungen zeigt ihre Schattenseite. „Momentan kommt ein Kind früh und bleibt bis zum Nachmittag. Ein zweites Kind kommt am Nachmittag dazu und bleibt bis abends“, sagt Gabriele Krüger. Um die 300 Euro zahle das Jugendamt dafür. Die Mutter des Nachmittags-Kindes gibt Musikunterricht. Das geht nur abends, wenn die anderen Kinder zu Hause sind.

„Wohl fühlen sich alle“, sagt die Tagesmutter. Klar mache ein Kind mal früh Theater, wenn es gebracht wird. Das gleiche Theater gebe es dann aber auch am Abend, wenn es wieder gehen soll. Bei schönem Wetter geht sie mit ihren Schützlingen gern an die frische Luft oder raus in den Hof zum Sandkasten. Die Mahlzeiten kocht die Tagesmutter selbst. Am Nachmittag kommt der Mann von Arbeit. „Da freuen sich die Kinder schon“, so Krüger.

Original Artikel vom 5. April 2004




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